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Drohnen: Technik, Hype & Gefahren

06.04.2016, Hamburg

Erste Drohnen-Kollision mit einem Flugzeug

Gute Drohnen, böse Drohnen – Technik, Faszination und Gefahren

Bei den vielen Beinahe-Unfällen, die Luftaufsicht und Airports melden, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann die erste Drohne tatsächlich mit einem Flugzeug kollidiert. Jetzt hat es eine British Airways-Maschine im Landeanflug auf London Heathrow erwischt. Zum Glück ist diesmal nichts passiert. Was aber, wenn die Drohne statt einer Kamera Sprengstoff transportiert hätte? Auf einer gut besuchten Veranstaltung des hightech-presseclubs (hpc) diskutierten Experten in Hamburg nicht nur über die tollen Fähigkeiten der Luftkünstler und die vielen, nützlichen Anwendungsbereiche, sondern auch über die Schattenseiten und möglichen Gefahren der unbemannten Fliegerei.

Wie ein Vertreter der Luftaufsicht bestätigte, kommt es durch Drohnen nicht nur immer häufiger zur Gefährdung des Luftverkehrs. Die ferngesteuerten Flugobjekte verletzen die Privatsphäre, schnüffeln Daten aus oder werden als fliegende Drogen-Kuriere für Gefängnisinsassen missbraucht. Schlimmstenfalls aber bringen Extremisten per Drohne Sprengsätze ferngesteuert ins Ziel. Eine verlässliche Abwehrmaßnahme gegen die Copter-Killer gibt es bisher nicht. Politiker und Gesetzgeber tauchen unter. Muss es also erst zur Katastrophe kommen? Ein zwiespältiges, sensibles Thema, über das Hersteller, Luftaufsicht und andere Experten auf Einladung des hightech presseclubs (www.hightech-presseclub.de) inmitten einer Drohnen-Manufaktur diskutierten.

Megamarkt Drohne: das neue High-Tech-Spielzeug

Unbemannte Flugobjekte für wenige Hundert Euro erobern den Massenmarkt. Mehr als 400.000 Geräte sollen laut der US-Flugsicherheitsbehörde FAA im Weihnachtsgeschäft 2015 in den USA über die Ladentheke gewandert sein. Kein Zweifel: Die preiswerten Luftikusse haben die Herzen ihrer meist jugendlichen Fans erobert. Die Flugeigenschaften der Drohnen haben sich in den vergangenen Jahren dramatisch verbessert. Moderne Quadrocopter mit vier elektrisch angetriebenen Propellern lassen sich heute kinderleicht fliegen. Eine Konsole oder eine App auf dem Smartphone dienen als Steuerknüppel. Die Piloten der Flugapparate erwartet viel Leistung für ihr Geld: So lassen sich mit einer Kamera als fliegendes Auge wunderbar gestochen scharfe 4K-Bilder aus der Höhe schießen. Das Dronie-, pardon Selfiefoto, aus der Luft ist der Hit der Saison

Per Cooper Copter-Drohne der Umwelt Gutes tun


Drohnen erledigen auch Aufgaben, die für Menschen äußerst wichtig sind. Einer, der sich hier einen guten Namen gemacht hat, ist Albrecht von Ruffer. Der studierte Biologe entwickelt in Hamburg Drohnen für den Einsatz in Land- und Forstwirtschaft, für den Umweltschutz und in der Fernerkundung.

Der Hamburger baut mit einem engagierten, jungen Team in seiner Firma Cooper Copter (coopercopter.com) auch Spezial-Drohnen für die Foto- und Filmindustrie. Der Experte gibt dem von Medien gerne aufgegriffenen Lieferdienst von Pizza und Paketen via Drohne in Deutschland keine Chance. Doch es gibt Aufgaben, wofür Drohnen bestens geeignet sind und auch immer häufiger zum Einsatz kommen: „Zum Beispiel im Wartungsbereich von Hochspannungsleitungen oder Windturbinen leisten Drohnen hervorragende Arbeit. Auch bei Polizei und Feuerwehr sind Drohnen im Einsatz.“

Als weiteres Anwendungsfeld nennt der Cooper Copter-Chef die Vermessung von Wäldern, um dessen Gesamtbiomasse zu bestimmen. So lässt sich nicht nur der Wert eines Waldes ermitteln, sondern auch dessen CO2-Speicherung. Auch in bebauten Gebieten machen sich Drohnen nützlich: „Wir haben mit Spezialkameras ausgerüstete Copter, die dicht an Gebäude rankommen, um Hochhäuser und andere Fassaden zu inspizieren“, so der Drohnen-Profi.

Drohnen, die bis zu fünf Kilo Gewicht tragen können, eignen sich auch perfekt für TV- und Kinoproduktionen. Für einige Aufgaben ist es notwendig, auch mal längere Strecken abzufliegen. Für diesen Einsatz hat der Drohnen-Hersteller so genannte „Nurflügler“ mit großen Tragflächen entwickelt. Die können bis zu zwei Stunden in der Luft bleiben. Solche, mit redundanten Antrieben ausgerüstete Drohnen starten mit Katapult und landen auf einer genau vorgegebenen Fläche. Sollte es wider Erwarten doch ´mal zu irgendwelchen Problemen kommen, geht´s über die Home-Funktion automatisch GPS-gesteuert wieder zurück zum Piloten.

Hobby-Piloten scheren sich nicht um Gesetze

Da der Markt vor allem aus China mit Billigfliegern überschwemmt wird, rutscht mit dem Gerätepreis auch das Niveau und das Verantwortungsbewusstsein der Piloten. Die Mehrheit der rapide wachsenden Schar der Freizeitflieger will mit ihren Drohnen aber einfach nur Spaß haben. Das führt immer häufiger zu unangenehmen Begleiterscheinungen. Zwar gibt es Gesetze, die den Luftverkehr auch für kleine Flugobjekte regeln. Diese sind den vielen Neu-Piloten aber oft gar nicht bekannt. Beim Drohnen-Kauf gibt es bisher weder eine Aufklärung, noch eine Registrierungspflicht. Erst recht keinen Drohnen-Führerschein.

So dürfen Drohnen-Flieger zum Beispiel nicht den Lebensbereich anderer verletzen. Wer über Nachbars Garten fliegt und mit Hilfe der Drohnenkamera eine Person beim Sonnenbaden filmt, macht sich strafbar. Falls sich der Amateur nur verflogen hat, sollte er rasch den Befehl „Return-Home“ drücken. Mit einem solchen „Safe- oder Panik-Button“ sollen nach Aussagen der Experten in der Talkrunde des hpc alle Drohnen ab etwa 300 Euro ausgestattet sein.

Top-Geräte können sogar Hindernisse erkennen und autark umfliegen. Anwender dürfen ihren Flug-Roboter ohnehin nur so weit fliegen lassen, dass sie ihn noch mit bloßem Auge erkennen können. 500 Meter Reichweite sind ein guter Richtwert. Auch sollte das unbemannte Flugobjekt im Stadtgebiet nur 30 Meter hoch fliegen. In der Nähe von Kraftwerken, Bahnhöfen oder Flughäfen dürfen Drohnen gar nicht in die Luft aufsteigen – von genehmigten Ausnahmen abgesehen.

Drohnen gefährden immer häufiger den Flugverkehr

Harry Denz, von der für die Luftaufsicht zuständigen Hamburger Behörde, entscheidet über Anträge, ob eine Drohne in den Luftraum der Hansestadt aufsteigen darf oder nicht. Je nach Bundesland gibt es bei der Zulassung Unterschiede – manche Geräte erhalten eine generelle, andere benötigen eine Einzelerlaubnis. „Im Jahr 2012 wurden in Hamburg 19 gewerbliche Aufstiegserlaubnisse beantragt. 2015 waren es bereits 620 Anträge – eine exorbitante Steigerung“, berichtet der „Herr über Hamburgs Drohnen“ auf der hpc-Veranstaltung. Dem Experten zufolge werden im gewerblichen Bereich, besonders in der Logistik, verstärkt autonome Flugapparate eingesetzt – etwa bei den Container-Terminals des Hamburger Hafens.

Der Drohnen-Boom macht Luftaufsicht und Polizei besonders im Umfeld von Flughäfen immer häufiger zu schaffen. Probleme bereiten Harry Denz grober Leichtsinn und Fahrlässigkeit von Freizeitpiloten. Auch wenn sich das Gros der Anwender verantwortungsbewusst verhält, wissen einige nicht, dass im Umkreis von 1,5 Kilometern um einen Airport ein gesetzliches Verbot besteht, solche Fluggeräte steigen zu lassen.
2015 registrierte die Hamburger Behörde drei extrem kritische Situationen, in denen Drohnen in die penibel überwachten Flugschneisen des Hamburger Airports eindrangen – also in unmittelbarer Nähe von an- und abfliegenden Flugzeugen. „Das ist brandgefährlich“, urteilt Denz über die sich häufenden Beinahe-Kollisionen in einer kritischen Flugphase. „Wenn schon ein durch einen Vogel verursachter Schlagschaden in einer Turbine ein Flugzeug zum Absturz bringen kann, können Sie sich leicht ausmalen, was passiert, wenn eine schwere Drohne in den Turbinensog gerät oder gegen das Cockpitfenster knallt.“

„Spaß-Angriff“ auf Merkel wurde zur Geschäftsidee

Einer, der den Luftraum über unseren Köpfen etwas sicherer machen möchte, ist Dr. Ingo Seebach, Geschäftsführer der Firma Dedrone (www.dedrone.com). Das 2013 gegründete StartUp mit Sitz Kassel hat einen „DroneTracker“ entwickelt, der vor allem Firmen und andere sicherheitsrelevante Einrichtungen vor Spionage- und sonstigen Drohnen-Angriffen schützen soll. Die Geschäftsidee für das Anti-Drohnen-System kam dem Wirtschaftsingenieur nach dem Absturz einer etwa 40 Zentimeter großen Spielzeug-Drohne während einer CDU-Wahlkampfveranstaltung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Dresden. „Zum Glück ist damals nichts passiert.“ Der Vorfall wurde als Bagatelle runtergespielt. Von den Regenschirmen der Merkel-Beschützer ´mal abgesehen, gab es damals noch keine technische Drohnen-Abwehr. „Da muss man doch dringend etwas tun“, sagte sich Dr. Ingo Seebach und gründete die Firma Dedrone.

Drohnen sind das neue Smartphone

„Drohnen sind das neue Smartphone. Künftig können wir mit ihnen Dinge machen, die wir jetzt noch gar nicht bedenken.” Höchste Zeit also, etwas für unseren Schutz zu tun. Nicht auszudenken, wenn Terrorristen Drohnen als Angriffswaffen einsetzen. Das Prinzip hinter der Erfindung von Dedrone ist einfach: Die Rund-um-die-Uhr-Bewachung lässt sich in bestehende Alarmanlagen integrieren. Jedes Gerät, an Gebäudewänden, vor Fenstern oder an Zäunen angebracht, erfasst auf mehrere hundert Meter mittels optischer und akustischer Sensoren, wenn sich eine Drohne nähert. Wird ein Flugobjekt erkannt, läuft ein Alarm beim Sicherheitspersonal auf. Eine Kamera speichert Fotos und Videobeweise. Die Erfassungs- und Aufzeichnungsmethode funktioniert auch nachts. Mit einer Art Gewehr schießt man dann mit Störfrequenzen (Jammer) auf das unbemannte Flugobjekt und holt es – wenn´s gut läuft – vom Himmel.

Wildwest am Himmel

Von Drohnen geht eine große Faszination aus. Das Potential, das in ihnen steckt, ist enorm und erst ansatzweise bekannt und ausgeschöpft. Die Technologien rund um die unbemannten Flugobjekte entwickeln sich ständig weiter. Ob Seenotrettung, Bäume pflanzen oder Vögel zählen … ständig kommen auch neue Anwendungsbereiche hinzu. Aber nicht nur die Gesetzgebung hing meilenweit hinterher. Seitdem die kleinen Flugkünstler populär wurden, herrscht geradezu eine Wildwest-Stimmung am Himmel.

In der Gesetzgebung besteht dringender Handlungs- und Nachholbedarf. Für die private Nutzung von Drohnen sind strengere Regeln erforderlich. Harry Denz von der Hamburger Luftaufsicht, gibt sich auf dem Drohnen-Talk des renommierten hightech-presseclubs in Hamburg zuversichtlich: „An den Regeln wird gearbeitet. Das ist auch notwendig. Wir werden in absehbarer Zeit zu einer vernünftigen Regelung kommen, da bin ich sicher“. Hoffentlich sehen Politiker und Gesetzgeber nicht erst nach einer Katastrophe Handlungsbedarf.

Till Wortmann

http://www.magazin-forum.de/news/technik/hightech-zwischen-himmel-und-h%C3%B6lle



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Drohnen: Technik, Hype & Gefahren

06.04.2016, Hamburg

Erste Drohnen-Kollision mit einem Flugzeug

Gute Drohnen, böse Drohnen – Technik, Faszination und Gefahren

Bei den vielen Beinahe-Unfällen, die Luftaufsicht und Airports melden, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann die erste Drohne tatsächlich mit einem Flugzeug kollidiert. Jetzt hat es eine British Airways-Maschine im Landeanflug auf London Heathrow erwischt. Zum Glück ist diesmal nichts passiert. Was aber, wenn die Drohne statt einer Kamera Sprengstoff transportiert hätte? Auf einer gut besuchten Veranstaltung des hightech-presseclubs (hpc) diskutierten Experten in Hamburg nicht nur über die tollen Fähigkeiten der Luftkünstler und die vielen, nützlichen Anwendungsbereiche, sondern auch über die Schattenseiten und möglichen Gefahren der unbemannten Fliegerei.

Wie ein Vertreter der Luftaufsicht bestätigte, kommt es durch Drohnen nicht nur immer häufiger zur Gefährdung des Luftverkehrs. Die ferngesteuerten Flugobjekte verletzen die Privatsphäre, schnüffeln Daten aus oder werden als fliegende Drogen-Kuriere für Gefängnisinsassen missbraucht. Schlimmstenfalls aber bringen Extremisten per Drohne Sprengsätze ferngesteuert ins Ziel. Eine verlässliche Abwehrmaßnahme gegen die Copter-Killer gibt es bisher nicht. Politiker und Gesetzgeber tauchen unter. Muss es also erst zur Katastrophe kommen? Ein zwiespältiges, sensibles Thema, über das Hersteller, Luftaufsicht und andere Experten auf Einladung des hightech presseclubs (www.hightech-presseclub.de) inmitten einer Drohnen-Manufaktur diskutierten.

Megamarkt Drohne: das neue High-Tech-Spielzeug

Unbemannte Flugobjekte für wenige Hundert Euro erobern den Massenmarkt. Mehr als 400.000 Geräte sollen laut der US-Flugsicherheitsbehörde FAA im Weihnachtsgeschäft 2015 in den USA über die Ladentheke gewandert sein. Kein Zweifel: Die preiswerten Luftikusse haben die Herzen ihrer meist jugendlichen Fans erobert. Die Flugeigenschaften der Drohnen haben sich in den vergangenen Jahren dramatisch verbessert. Moderne Quadrocopter mit vier elektrisch angetriebenen Propellern lassen sich heute kinderleicht fliegen. Eine Konsole oder eine App auf dem Smartphone dienen als Steuerknüppel. Die Piloten der Flugapparate erwartet viel Leistung für ihr Geld: So lassen sich mit einer Kamera als fliegendes Auge wunderbar gestochen scharfe 4K-Bilder aus der Höhe schießen. Das Dronie-, pardon Selfiefoto, aus der Luft ist der Hit der Saison

Per Cooper Copter-Drohne der Umwelt Gutes tun


Drohnen erledigen auch Aufgaben, die für Menschen äußerst wichtig sind. Einer, der sich hier einen guten Namen gemacht hat, ist Albrecht von Ruffer. Der studierte Biologe entwickelt in Hamburg Drohnen für den Einsatz in Land- und Forstwirtschaft, für den Umweltschutz und in der Fernerkundung.

Der Hamburger baut mit einem engagierten, jungen Team in seiner Firma Cooper Copter (coopercopter.com) auch Spezial-Drohnen für die Foto- und Filmindustrie. Der Experte gibt dem von Medien gerne aufgegriffenen Lieferdienst von Pizza und Paketen via Drohne in Deutschland keine Chance. Doch es gibt Aufgaben, wofür Drohnen bestens geeignet sind und auch immer häufiger zum Einsatz kommen: „Zum Beispiel im Wartungsbereich von Hochspannungsleitungen oder Windturbinen leisten Drohnen hervorragende Arbeit. Auch bei Polizei und Feuerwehr sind Drohnen im Einsatz.“

Als weiteres Anwendungsfeld nennt der Cooper Copter-Chef die Vermessung von Wäldern, um dessen Gesamtbiomasse zu bestimmen. So lässt sich nicht nur der Wert eines Waldes ermitteln, sondern auch dessen CO2-Speicherung. Auch in bebauten Gebieten machen sich Drohnen nützlich: „Wir haben mit Spezialkameras ausgerüstete Copter, die dicht an Gebäude rankommen, um Hochhäuser und andere Fassaden zu inspizieren“, so der Drohnen-Profi.

Drohnen, die bis zu fünf Kilo Gewicht tragen können, eignen sich auch perfekt für TV- und Kinoproduktionen. Für einige Aufgaben ist es notwendig, auch mal längere Strecken abzufliegen. Für diesen Einsatz hat der Drohnen-Hersteller so genannte „Nurflügler“ mit großen Tragflächen entwickelt. Die können bis zu zwei Stunden in der Luft bleiben. Solche, mit redundanten Antrieben ausgerüstete Drohnen starten mit Katapult und landen auf einer genau vorgegebenen Fläche. Sollte es wider Erwarten doch ´mal zu irgendwelchen Problemen kommen, geht´s über die Home-Funktion automatisch GPS-gesteuert wieder zurück zum Piloten.

Hobby-Piloten scheren sich nicht um Gesetze

Da der Markt vor allem aus China mit Billigfliegern überschwemmt wird, rutscht mit dem Gerätepreis auch das Niveau und das Verantwortungsbewusstsein der Piloten. Die Mehrheit der rapide wachsenden Schar der Freizeitflieger will mit ihren Drohnen aber einfach nur Spaß haben. Das führt immer häufiger zu unangenehmen Begleiterscheinungen. Zwar gibt es Gesetze, die den Luftverkehr auch für kleine Flugobjekte regeln. Diese sind den vielen Neu-Piloten aber oft gar nicht bekannt. Beim Drohnen-Kauf gibt es bisher weder eine Aufklärung, noch eine Registrierungspflicht. Erst recht keinen Drohnen-Führerschein.

So dürfen Drohnen-Flieger zum Beispiel nicht den Lebensbereich anderer verletzen. Wer über Nachbars Garten fliegt und mit Hilfe der Drohnenkamera eine Person beim Sonnenbaden filmt, macht sich strafbar. Falls sich der Amateur nur verflogen hat, sollte er rasch den Befehl „Return-Home“ drücken. Mit einem solchen „Safe- oder Panik-Button“ sollen nach Aussagen der Experten in der Talkrunde des hpc alle Drohnen ab etwa 300 Euro ausgestattet sein.

Top-Geräte können sogar Hindernisse erkennen und autark umfliegen. Anwender dürfen ihren Flug-Roboter ohnehin nur so weit fliegen lassen, dass sie ihn noch mit bloßem Auge erkennen können. 500 Meter Reichweite sind ein guter Richtwert. Auch sollte das unbemannte Flugobjekt im Stadtgebiet nur 30 Meter hoch fliegen. In der Nähe von Kraftwerken, Bahnhöfen oder Flughäfen dürfen Drohnen gar nicht in die Luft aufsteigen – von genehmigten Ausnahmen abgesehen.

Drohnen gefährden immer häufiger den Flugverkehr

Harry Denz, von der für die Luftaufsicht zuständigen Hamburger Behörde, entscheidet über Anträge, ob eine Drohne in den Luftraum der Hansestadt aufsteigen darf oder nicht. Je nach Bundesland gibt es bei der Zulassung Unterschiede – manche Geräte erhalten eine generelle, andere benötigen eine Einzelerlaubnis. „Im Jahr 2012 wurden in Hamburg 19 gewerbliche Aufstiegserlaubnisse beantragt. 2015 waren es bereits 620 Anträge – eine exorbitante Steigerung“, berichtet der „Herr über Hamburgs Drohnen“ auf der hpc-Veranstaltung. Dem Experten zufolge werden im gewerblichen Bereich, besonders in der Logistik, verstärkt autonome Flugapparate eingesetzt – etwa bei den Container-Terminals des Hamburger Hafens.

Der Drohnen-Boom macht Luftaufsicht und Polizei besonders im Umfeld von Flughäfen immer häufiger zu schaffen. Probleme bereiten Harry Denz grober Leichtsinn und Fahrlässigkeit von Freizeitpiloten. Auch wenn sich das Gros der Anwender verantwortungsbewusst verhält, wissen einige nicht, dass im Umkreis von 1,5 Kilometern um einen Airport ein gesetzliches Verbot besteht, solche Fluggeräte steigen zu lassen.
2015 registrierte die Hamburger Behörde drei extrem kritische Situationen, in denen Drohnen in die penibel überwachten Flugschneisen des Hamburger Airports eindrangen – also in unmittelbarer Nähe von an- und abfliegenden Flugzeugen. „Das ist brandgefährlich“, urteilt Denz über die sich häufenden Beinahe-Kollisionen in einer kritischen Flugphase. „Wenn schon ein durch einen Vogel verursachter Schlagschaden in einer Turbine ein Flugzeug zum Absturz bringen kann, können Sie sich leicht ausmalen, was passiert, wenn eine schwere Drohne in den Turbinensog gerät oder gegen das Cockpitfenster knallt.“

„Spaß-Angriff“ auf Merkel wurde zur Geschäftsidee

Einer, der den Luftraum über unseren Köpfen etwas sicherer machen möchte, ist Dr. Ingo Seebach, Geschäftsführer der Firma Dedrone (www.dedrone.com). Das 2013 gegründete StartUp mit Sitz Kassel hat einen „DroneTracker“ entwickelt, der vor allem Firmen und andere sicherheitsrelevante Einrichtungen vor Spionage- und sonstigen Drohnen-Angriffen schützen soll. Die Geschäftsidee für das Anti-Drohnen-System kam dem Wirtschaftsingenieur nach dem Absturz einer etwa 40 Zentimeter großen Spielzeug-Drohne während einer CDU-Wahlkampfveranstaltung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Dresden. „Zum Glück ist damals nichts passiert.“ Der Vorfall wurde als Bagatelle runtergespielt. Von den Regenschirmen der Merkel-Beschützer ´mal abgesehen, gab es damals noch keine technische Drohnen-Abwehr. „Da muss man doch dringend etwas tun“, sagte sich Dr. Ingo Seebach und gründete die Firma Dedrone.

Drohnen sind das neue Smartphone

„Drohnen sind das neue Smartphone. Künftig können wir mit ihnen Dinge machen, die wir jetzt noch gar nicht bedenken.” Höchste Zeit also, etwas für unseren Schutz zu tun. Nicht auszudenken, wenn Terrorristen Drohnen als Angriffswaffen einsetzen. Das Prinzip hinter der Erfindung von Dedrone ist einfach: Die Rund-um-die-Uhr-Bewachung lässt sich in bestehende Alarmanlagen integrieren. Jedes Gerät, an Gebäudewänden, vor Fenstern oder an Zäunen angebracht, erfasst auf mehrere hundert Meter mittels optischer und akustischer Sensoren, wenn sich eine Drohne nähert. Wird ein Flugobjekt erkannt, läuft ein Alarm beim Sicherheitspersonal auf. Eine Kamera speichert Fotos und Videobeweise. Die Erfassungs- und Aufzeichnungsmethode funktioniert auch nachts. Mit einer Art Gewehr schießt man dann mit Störfrequenzen (Jammer) auf das unbemannte Flugobjekt und holt es – wenn´s gut läuft – vom Himmel.

Wildwest am Himmel

Von Drohnen geht eine große Faszination aus. Das Potential, das in ihnen steckt, ist enorm und erst ansatzweise bekannt und ausgeschöpft. Die Technologien rund um die unbemannten Flugobjekte entwickeln sich ständig weiter. Ob Seenotrettung, Bäume pflanzen oder Vögel zählen … ständig kommen auch neue Anwendungsbereiche hinzu. Aber nicht nur die Gesetzgebung hing meilenweit hinterher. Seitdem die kleinen Flugkünstler populär wurden, herrscht geradezu eine Wildwest-Stimmung am Himmel.

In der Gesetzgebung besteht dringender Handlungs- und Nachholbedarf. Für die private Nutzung von Drohnen sind strengere Regeln erforderlich. Harry Denz von der Hamburger Luftaufsicht, gibt sich auf dem Drohnen-Talk des renommierten hightech-presseclubs in Hamburg zuversichtlich: „An den Regeln wird gearbeitet. Das ist auch notwendig. Wir werden in absehbarer Zeit zu einer vernünftigen Regelung kommen, da bin ich sicher“. Hoffentlich sehen Politiker und Gesetzgeber nicht erst nach einer Katastrophe Handlungsbedarf.

Till Wortmann

http://www.magazin-forum.de/news/technik/hightech-zwischen-himmel-und-h%C3%B6lle